Vom Problem der Ulster Bank zur Euro-Krise: Die Bankenkrise aus der Sicht der IT
Seit drei Wochen durchleiden die etwa 100.000 irischen Kunden der Ulster Bank eine Bankenkrise der besonderen Art: Am 19. Juni legte ein Softwarefehler das gesamte Buchungssystem der Bank lahm. Überweisungen und Daueraufträge wurden nicht ausgeführt; Gehälter und Sozialhilfeleistungen wurden nicht gutgeschrieben, Abbuchungen für Versicherungsprämien oder Darlehen erfolgten nicht, Kunden kamen nicht an ihr Geld.
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| Eine Bank im Fokus: Ein Software-Fehler bei der Ulster Bank sorgt seit drei Wochen dafür, dass 100.000 irische Kunden nicht an ihr Geld kommen. |
Der Softwarefehler ist mittlerweile behoben. Doch arbeitet die Bank noch immer mit Hochdruck daran, den in der Zwischenzeit aufgelaufenen Berg an Buchungsdatensätzen abzuarbeiten und die Konten zu aktualiseren. Die Kunden sind angehalten, sämtliche Belege von Transaktionen aufzuheben und ihre Kontoauszüge, so sie denn wieder welche erhalten, genauestens zu prüfen. Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis wieder der Normalzustand eingetreten ist.
Das Ganze weist ein wenig Ähnlichkeit mit der Tour de France auf, wenn an der Spitze zwei Fahrer stürzen und von hinten der Pulk angeflogen kommt. Es dauert eine ganze Weile, bis nach dem unausweichlichen Massensturz dass gesamte Feld wieder ordentlich unterwegs ist.
Das Ganze weist ein wenig Ähnlichkeit mit der Tour de France auf, wenn an der Spitze zwei Fahrer stürzen und von hinten der Pulk angeflogen kommt. Es dauert eine ganze Weile, bis nach dem unausweichlichen Massensturz dass gesamte Feld wieder ordentlich unterwegs ist.
Für die Ulster Bank ist der Vorfall mehr als peinlich. Das genaue Ausmaß des Schadens kann noch gar nicht richtig abgeschätzt werden. Die betroffenen Kunden dürfen mit Kompensationszahlungen rechnen, der Ansehensverlust für die Bank, die zur Royal Bank of Scotland Group gehört, ist immens.
Für mich als IT'ler, der zudem derzeit zufälligerweise für eine multinationale Bank tätig ist (ohne Namen zu nennen), bei der ebenfalls täglich riesige Datenmengen verarbeitet werden, ist der Vorfall schon aus technischer Sicht interessant. Natürlich wird der Vorfall auch am Arbeitsplatz besprochen und diskutiert. Man fühlt mit den Kollegen von der Ulster Bank, die in den letzten Wochen so einige Überstunden leisten mussten. Und nicht zuletzt ist durch den Vorfall die IT als technisches Rückgrat der Banken in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten.
Denn: Das Problem bei der Ulster Bank hat ganz klar aufgezeigt, wie empfindlich derartig komplexe IT-Systeme sind. Es war ein Warnschuss, den auch die anderen Banken zur Kenntnis genommen haben. Denn am Horizont lauert schon längere Zeit das ganz große Ungemach in Form einer Eskalation der Euro-Krise.
Euro-Kollaps als technische Herausforderung
Vor allem global agierende Banken beschäftigen sich derzeit mit folgenden Fragen: Wie reagieren die IT-Systeme, wenn da aus einer Währung plötzlich 17 werden? Was passiert, wenn aufgrund stark erhöhter Aktivität an den Geldmärkten, nicht zuletzt beim Handel mit Fremdwährungen, das zu verarbeitende Datenvolumen sich nicht nur verdoppelt oder verdreifacht, sondern verzehnfacht oder sogar verzwanzigfacht? Wie kommen die IT-Systeme damit klar, wenn anstelle von täglich 1 Million Transaktions-Datensätzen plötzlich 20 Millionen anfallen? Wie würden Sie reagieren, wenn anstelle von 10 geladenen Gästen plötzlich 200 vor der Tür stehen?
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| Cash auch nach dem Crash? Der Systemfehler bei der Ulster Bank warf Fragen über die Stabilität der IT-Systeme in Banken auf, besonders im Hinblick auf eine mögliche Verschärfung der Euro-Krise. |
Für die IT-Abteilungen sind dies kritische Fragen. Abgesehen von der eigentlichen Verarbeitung der immensen Datenmengen, für die jeweils nur einige Stunden pro Tag zur Verfügung stehen (schließlich wollen am nächsten Morgen die Fillialen wieder öffnen), stellt sich auch das Problem der langfristigen Speicherung der anfallenden Daten, für die nun wesentlich mehr Speicherplatz bereitgestellt werden muss.
Mehr oder weniger alle Banken untersuchen derzeit ihre IT-Systeme auf Schwachstellen und Engpässe, die im Fall der Fälle zum wirklichen Problem werden könnten. "Euro Crisis Precaution" lautet das derzeitige Schlagwort in vielen IT-Abteilungen. Kaum eine Bank kann es sich leisten, untätig zu bleiben und erstmal abzuwarten. Proaktiv handeln, lautet das derzeitige Motto. Und da viele global agierende Banken in Irland IT-Zentralen betreiben, kann
man sich als IT'ler in Irland derzeit über zu wenig Arbeit kaum
beklagen. Auch die Bank, für die ich derzeit tätig bin, hat in den letzten Monaten immense Anstrengungen unternommen, um gewappnet zu sein.
So profitiert von dem Schreckgespenst Euro-Kollaps die gesamte IT-Branche. Auch bei der Ulster Bank wird man nach dem Störungsfall seine IT-Personal-Strategie wohl etwas überdenken. In den nächsten Monaten dürfte es dort einige interessante Stellenausschreibungen geben ...


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